Reisebericht Kiew, April 2009


Liebe Freunde.

Heute möchte ich Ihnen, wie versprochen, einen kurzen Überblick über unsere Reiseerfahrungen nach Kiew geben. Die Anfahrt erfolgte, wie bereits in den Jahren zuvor über Frankfurt/Oder und Warschau um kurz hinter Lublin die Grenze zur Ukraine zu überqueren. Nach weiteren 700 km und insgesamt 24 Stunden (inkl. der 3 Std. Wartezeit an der polnisch-ukrainischen Grenze) Fahrzeit erreichten wir endlich die Hauptstadt der Ukraine und wurden dort auf das Herzlichste von Tamara und Ihrem Verein empfangen.

In den Folgetagen erfuhren wir wieder einmal, was die weltweit berühmte, russische Gastfreundschaft bedeutet. Diverse Veranstaltungen und Besichtigungen begleitet von einer liebevollen Verpflegung gipfelten in einem Treffen mit über 300 Kindern aus Kiew und Umgebung, auf dem wir in einem großen Spektakel die mitgebrachten Geschenke und Süßigkeiten verteilten. Es war die reine Wonne zu sehen, mit welcher Begeisterung sich die Kinder auf das aus Deutschland Mitgebrachte stürzten. Ein Glücksmoment, wie wir ihn hierzulande nur noch selten beobachten können. Nachdem dutzende Schokoladen-Hasen und Zucker-Ostereier ihren Weg in die Kindermägen genommen hatten und das Spielzeug inspiziert war, lieferte eine Gruppe von Kindern eine Tanz- und Balletvorführung, welche sich vor internationalen Wettbewerben nicht hätte scheuen müssen. Wir waren schier Sprachlos von diesem überwältigenden Auftritt. Nach einem langen und tränenreichen Abschied - denn am nächsten Tag wollten wir noch Leonid Stadnik  200 km nördlich von Kiew besuchen - machten wir uns zu später Stunde auf den Weg. kiew0409cIn einem Dorf in der Nähe von Tschernobyl lebt Leonid Stadnik und wächst noch immer jedes Jahr ca. einen Zentimeter. Heute gilt er als der größte Mensch der Welt, worauf er vom derzeitigen, ukrainischen Präsidenten Wiktor Juschtschenko zu dessen Selbstdarstellung ein Auto geschenkt bekommen hat, in das der Riese nicht einmal hinein passt. Ebenso brüsten sich Regierungsvertreter, die an Stadnik's Popularität partizipieren wollen, mit vermeindlichen Zuwendungen, welche sich bei detailierter Betrachtung als Farce erweisen. Z.B. verlautete es aus offiziellen Quellen, der Landwirt L. Stadnik habe eine neue, größenangepasste Lenkerkonstruktion für seinen Trecker erhalten. Jedoch konnten wir mit eigenen Augen sehen, dass lediglich ein zweites, gebrauchtes Lenkrad mit - man staune - "Klebeband" auf das bestehende Lenkrad befestigt worden war.  Dies beschreibt in etwa die Zustände im Land.

Abschliessend möchte ich noch sagen, dass es wieder einmal eine in allen Belangen erfolgreiche Reise war und ich werde, wenn alles klappt, mich schon in diesem Monat erneut auf den Weg nach Kiew machen.

Euer Gerd Klöpper